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Wie alles begann...
Story....
Datenübertragung in der Lichttechnik bedeutet: Steuerinformationen übertragen. Eine Steuerung findet statt vom Lichtstellpult zum Dimmer, vom Controller zum Farbwechsler, von einem Steuergerät zu einem positionierbaren Scheinwerfer. Bisher war für jeden Steuerkanal (besser gesagt: für jede Steuerungsfunktion) eine Ader nötig, auf der ein Steuersignal übertragen wurde - hier hat sich international die Ansteuerung mit einer proportionalen Spannung von 0 bis +10V durchgesetzt. Das ist praktisch und einfach: Niederspannung läßt sich einfach handhaben, leicht verteilen und im Falle eines Problems auch sehr einfach überprüfen: ein normales Taschenmultimeter, überall für wenige DM verfügbar und jedem Techniker vertraut, reicht dazu aus.
Der zunehmende Einsatz von Multifunktionsscheinwerfern (Scannern) hat die Techniker hier jedoch vor ein Problem gestellt: jedes Gerät benötigt mehrere Kanäle zur Ansteuerung, die Kanalzahlen sind unterschiedlich, die Funktionen auch, und das "Aufsplitten" von Leitungen demzufolge nicht nur umständlich, sondern auch lästig. Zeit also für eine neue Ansteuerung, und da kam eine Norm gerade recht, die das USITT (United States Institute for Theatre Technology) aus des Taufe gehoben hatte: DMX-512.
DMX-512 ist digital. Das ist neu: Informationen werden nicht mehr durch analoge Spanungswerte repräsentiert, sondern als digitale Datenworte übertragen. Da gilt es Vorteile und Nachteile gegeneinander abzuwiegen, und auf der Strecke bleibt auf jeden Fall die leichte Durchschaubarkeit dessen, was da auf der Leitung tatsächlich passiert: mit dem Voltmeter jedenfalls ist nichts mehr zu machen. Es gibt aber digitale Tester und Hilfsmittel. mit denen man die Daten auf der DMX-Leitung kontrollieren kann.
DMX-512 ist einfach. Kabel 'rein, Gerät eingeschaltet: das war's. In den meisten Fällen funktioniert die Übertragung, doch was das für Daten sind, die da vom Sender (Pult) zum Empfänger (Dimmer, Scanner) wechseln, will wohl überlegt sein: anders als in der analogen Welt, in der man, um Funktionen zu wechseln, Drähte umlöten muß, kann man digitale Signale höchst einfach "patchen": hier gehört zu jedem Datum auch eine Adresse. Was tun, wenn die Daten von Fader 9 auf Dimmer 5 ankommen, obwohl mein Rack auf Adresse 1 eingestellt ist? Was ist Patching und wie funktioniert's? Was ist falsch, wenn nicht nur der Dimmer aufzieht, sondern gleichzeitig auch der Spiegel meines Scanners fährt? Ist DMX-512 nicht doch etwa kompliziert?
DMX-512 ist sicher. Das gilt für digitale Übertragungen wohl ganz allgemein: Wenn die Daten ankommen, haben sie auch den korrekten Wert. Es sei denn, die Übertragung wäre nachhaltig gestört- dann aber gibt's jede Menge "Salat" auf der Leitung. Wodurch gibt es Störungen? Muß man auf korrekte Erdung achten? Wird spezielles Kabel benötigt, welche Stecker sind erforderlich? Kann man Multicores mitbenutzen? Fakt ist: DMX-Daten werden mit 250 000 Bit/Sekunde übertragen. Das ist eine Grundfrequenz von 250 kHz, und da man ja Rechtecksignale übertragen will, finden sich darin mindestens Signalanteile bis zu 2,5 MHz. Das ist weit mehr, als über ein Standard-Mikrofonkabel zu bewältigen ist. Für korrekte DMX-Übertragung, zumindest über längere Strecken, sind daher Maßnahmen erforderlich, wie sie auch in der HF-Technik zur Anwendung kommen: korrekte Leitungsimpedanz, richtiger Leitungsabschluß, keine Wildwest-Verdrahtung. Wir empfehlen als Signalkabel ausschließlich Kabel, das in der digitalen Tontechnik auch verwendet wird: gemeint ist Kabel nach AES-EBU Norm mit einem Wellenwiderstand von 110 Ohm oder sogenanntes CAT-5 Kabel aus der Computertechnik, das jedoch abgeschirmt sein muß.
DMX-512 ist für 512 Geräte. Hört sich ganz logisch an, aber das ist so mit Sicherheit nicht richtig. Zwar kann man mit DMX-512 (mindestens) 512 verschiedene Informationen übertragen, doch real angeschlossen werden dürfen nur weniger als 32 Geräte- oft nicht einmal so viele. Der Grund ist einfach: Jedes Gerät belastet die gemeinsame Datenleitung, und irgendwann kann es der Sender (das Pult) einfach nicht mehr schaffen. Dann braucht man Splitter oder Booster. Sie verstärken oder regenerieren das Signal und können dann wieder weitere bis zu 32 Geräte treiben.
DMX-512 ist kompatibel. Hatten wir ja oben schon: EIGENTLICH ist das so. Korrekt eingerichtet, ordnungsgemäß verkabelt und bei richtiger Adressierung aller Geräte spielt eine DMX-Anlage meist auf Anhieb. Das Fabrikat der einzelnen Komponenten spielt eine untergeordnete Rolle; "DMX-512" paßt zu "DMX-512".
Natürlich gibt's denn doch ab und zu mal ein Problem, das sich in partieller Nichtfunktion äußern kann. Die Verwendung anderer Stecker oder anderer Belegungen als in der Norm vorgeschrieben kann eine der einfachen, aber häufigen und möglichen Fallen sein. Auch die Verwendung falschen oder ungeeignete Leitungen führt häufig zu unerwünschten Störungen. insbesondere bei längeren Verbindungen darf ein Abschlußstecker nicht vergessen werden. Geht man sorgfältig vor, sind indes keine Probleme zu erwarten.
ALT = NEU Das Protokoll kommt in die Jahre: DMX-512 ist, in der Ur-Fassung von 1988, nunmehr 10 Jahre alt. Von Steven Terry (jetzt: ESTA Chair) und Mitch Hefter (jetzt: USITT Commissioner) eigentlich nur so "nebenbei" und "auf dem Bierdeckel" skizziert, hat sich die serielle, digitale Übertragung nach DMX-512 zum dominierenden Übertragungsstandard in der Lichttechnik gemausert. Das Protokoll wurde seinerzeit von der USITT (United States Institute of Theatre Technology, Inc.) dokumentiert und publiziert. Die Überführung der USITT DMX-512 in eine deutsche DIN-Norm (DIN56930) schafft nunmehr, gut 10 Jahre später, neue Tatsachen: erstmalig liegt eine Norm vor, die durch ein international respektiertes Normengremium verabschiedet ist - selbst wenn sie nur als deutsche Norm gültig ist. International schafft dies Unruhe: Engländer -"Europe? The Continent!?"- reklamieren einen deutschen "Alleingang": sie sehen ihren Absatzmarkt durch eine nationale Regelung in Gefahr. In den USA mußte man erkennen, geschlafen und an DMX-512 jahrelang "nichts getan" zu haben. Nun geht man entschlossen auf die Überholspur. Das USITT ist kein international akkreditiertes Normungsgremium; daher hat man die "Pflege und Weiterentwicklung" des DMX-512 Standards kurzentschlossen der ESTA (Entertainment Services and Technology Association) übertragen. Diese verfügt über einen ANSI (American National Standards Institute) akkreditierten Prozeß zur Erstellung von Normen; das ANSI ist sozusagen das "amerikanische DIN". Hier wird DMX-512/1998 (vielleicht wird es auch: DMX-512/2000 heißen) eingebracht und verabschiedet, womit die dann "veraltete" DIN ausgehebelt und die amerikanische Dominanz wiederhergestellt wäre. Soweit die Mischung von Politik und Fakten. An der Schaffung der "neuen" DMX-512 beteiligen sich natürlich vorrangig amerikanische Industrievertreter, jedoch auch Repräsentanten europäischer Unternehmen sowie der Fachverbände USITT, ESTA, PLASA und VPLT. . 1988 Die erste Fassung des Protokolls DMX-512 entsteht und wird in "Lighting & Sound International" publiziert. Der Standard wird von der USITT als Empfehlung herausgegeben.1990Die USITT gibt das Dokument "DMX512/1990" als Druckschrift heraus. Die Revision des Standards umfaßt im Wesentlichen die Verlängerung des Mark-After-Break von 4us auf 8us, da einige Controller Probleme hatten, schnell genug zu reagieren. (StartByte Loss). Geräte, die auch dem bisherigen Standard genügen, dürfen mit "DMX-512/1990 (4us)" bezeichnet werden. B.J. Rodriguez beschreibt kompatible Möglichkeiten der Protokollerweiterung für 16-Bit Datentransfer, Error Check und bidirektionale Kommunikation. Die Vorschläge für DMX-B, DMX-C und DMX-D verschwinden für einige Jahre in der Schublade. Sie kommen erst auf dem PLASA-Méeting 1995 wieder auf den Tisch, doch da ist es de facto zu spät: DMX-512/1990 hat sich bereits etabliert. 1993 Die Startcode-Diskussion beginnt. Unter Federführung der PLASA werden " Administration Procedures For Proposed USITTPLASA DMX 512/1990 Usage Project" formuliert. Die PLASA will die Startcode-Zuweisungen verwalten und koordinieren. 1994 Der DIN Fachnormenausschuß DIN FNTh2 nimmt die Arbeit an der DIN 56930 "Lichtsteuersignale" auf. 1995Wird es alternative Startcodes zu DMX geben? Auf dem alljährlich zur PLASA stattfindenden "Breakfast Meeting" der DMX Working Group wird offenkundig, daß mit einer Weiterentwicklung von DMX-512 nicht zu rechnen ist. Der bisherige und langverdiente PLASA Standards Officer, G.C. Thompson, scheidet aus dem Amt. Die PLASA, bisher federführend in Sachen DMX, gibt die Standards-Betreuung ab und beschließt, stattdessen der ESTA zuzuarbeiten. Die im Protokoll nachlesbare Nachricht des VPLT, in Deutschland arbeite das DIN an einem DMX-Normpapier, wird überhört. Der Ruf nach einem Nachfolgeprotokoll für DMX-512 wird erstmals laut. 1996 Die ESTA beginnt die Arbeit an einem Nachfolger für DMX-512, dem Ethernet-basierten ACN/ACP (Advanced Control Network/Advanced Control Protocol). Das DMX-512 Startcode-Projekt ist der USITT übergeben worden und zeigt keine Ergebnisse. 1997 Wie üblich, tagt die internationale Arbeitsgruppe auf dem jährlichen PLASA Breakfast Meeting. Die ESTA ACN Task Group hat einen Ablaufplan, ist aber noch "weit von umsetzbaren Ergebnissen" entfernt. Das Startcode-Projekt macht keine Fortschritte und scheint erledigt. Eine Steckerdiskussion brandet auf, 3-polige Steckverbinder werden gebrandmarkt. CP&P überrascht das Gremium mit dem Antrag, die "unbenutzten" Pins 4 und 5 mit Hilfsspannung (25V) beschalten zu können. Es stellt sich heraus, daß solche Geräte schon produziert und verkauft wurden - ein Gefahrpotential wird ausgemacht (die Geräte wurden später wieder vom Markt zurückgezogen). Sonst etwas Neues zu DMX? Nein- mit dieser Ausnahme: der VPLT informiert das Gremium, daß mit Ablauf der Einspruchsfrist (Ende August 1996) die Deutsche Norm DIN56930, die DMX-512 behandelt, de facto eine gültige Deutsche Norm sei. Die Sensation ist perfekt, die Amerikaner sind minutenlang sprachlos. "Niemand hat uns informiert" und "da hätte man uns auf jeden Fall fragen müssen" sind die meistgehörten Sätze der Messe. 1998 Der Schock über die DIN DMX zeigt Wirkung, die USA drehen auf. Das USITT überträgt der ESTA, die über ein ANSI-akkreditiertes VArfahren zur rstellung von Normen verfügt, die "Pflege und Weiterentwicklung" von DMX-512. DMX-512 könnte eine marikanische Norm werden, zusätztlich wird angestrebt, den neuen Standard als IEC-Norm zu veröffentlichen. Vorschläge zur Weiterentwicklung von DMX-512 werden gesammelt und unter unter strikter Beachtung "voller Abwärtskompatibilität" ausgewertet. Die Erweiterung bekommt den Arbeitstitel DMX-512/2000. Ein- und Ausgangsschutz sowie Maßnahmen zur EMV sind bisher nur im DIN Dokument enthalten und müssen berücksichtigt werden, sie sind im Rahmen der europaweiten CE-Regelungen ohnehin obligatorisch. Die ESTA macht Dampf hinter alle Normvorhaben, selbst der bisher nie aufgeschriebene 0...10V Analogsteuer-Standard wird als Normdokument erfaßt und geht in Public Review. Die ACN Task Group kriegt Druck, sie hat immer noch keine greifbaren Ergebnisse. DIN 56930 Teil 1 und 2 geht in Weißdruck. Der DIN Fachnormenausschuß FNTh erstellt DIN 56930 Teil 3: "Ethernet - Begriffsbestimmungen" 1999DMX-512/2000 : Nach über einjähriger Arbeit liegt ein erstes, 70-seitiges Arbeitsgruppendokument - mehr eine Zusammnenfassung des aktuellen Status mit eingearbeiteten Erweiterungen - zum Jahresende vor und steht einen Monat zur öffentlichen Kritik. Das Dokument kann von der VPLT AK Licht Website per Download bezogen werden. Das DIN Dokument 56930 ist mittlerweile immer noch nicht erschienen - ein Indiz dafür, mit welcher Geschwindigkeit deutsche Bürokratie tatsächlich arbeitet. Auch die ACN Arbeitsgruppe tut sich schwer: bis Jahresende liegt noch kein Dokument vor. Mit dem Entwurf AES45 hatte eine Kommission der Audio Engineering Society, Inc., ebenfalls einen Ethernet-basierten Entwurf zur Steuerung von Audiogeräten in Bearbeitung - die Gruppe hat sich, wie zu hören ist, wegen Differenzen aufgelöst. Der AES45 Entwurf soll nun in ACN eingebracht werden, was diesem zu einer weiteren Verbreitung verhelfen würde. Aber: das bedeutet noch mehr Arbeit für die Arbeitsgruppe, noch ein Weilchen warten. 2000 Die Einspruchsfrist für den ersten DMX512/2000 Entwurf endet am 12.1.2000.
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